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18.02.2019 - Martin Schneider (E-Mail schreiben an Martin Schneider)

Warum wird die Grunddüngung oftmals so stiefmütterlich behandelt?

Wer aktuell zu den Winterveranstaltungen der Offizialberatung geht, bekommt oftmals die Statistik zur Entwicklung der Grundnährstoffversorgung bzw. des pH-Wertes unserer Böden vorgehalten: Die Aussage ist dann immer, dass signifikante Flächenanteile mit Gehaltsklasse „A“ und „B“ teilweise deutlich unterversorgt sind, während andere Flächenanteile deutlich überversorgt sind. Je nach Nährstoff und Viehdichte einer Region sind 30-40 Prozent der Flächen oftmals unterversorgt. 

Diese etwas grobe Statistik können wir mit einer eigenen Untersuchung noch untersetzen: Wir haben einmal selbst nachgeschaut, die Bodenproben von knapp 476.000 ha Fläche (der überwiegende Teil liegt in den Neuen Bundesländern) ausgewertet und das Augenmerk auf die wirklich richtig schlecht versorgten Zonen gelegt. Hinter dieser Gesamtfläche stehen 23.223 einzelne Felder. Diese wurden rechnerisch durchschnittlich im 3,7-ha-Raster (meist also im 3-ha-Raster, wenige auch im 5-ha-Raster) beprobt. Und so ist das Ergebnis: im Durchschnitt ist auf 51% der Flächen bei mindestens einem Nährstoff (P, K, Mg) bzw. beim pH-Wert eine Gehaltsklasse „A“ oder „B“, also ein ganz deutlicher Nährstoffmangel, ausgewiesen.

 

Nährstoffmangel in Abhängigkeit zu Flächengröße

In Abbildung 1 ist das Ergebnis noch einmal in Abhängigkeit von der Flächengröße dargestellt. Auf kleineren Flächen sieht es etwas besser aus: hier haben "nur" gut 43 % der untersuchten Flächen mindestens einen eklatanten Mangel. Auf den Flächen größer 20 ha sind es dann allerdings schon 64 %, die mindestens einen eklatanten Mangel in der Grundnährstoffversorgung oder im pH-Wert aufweisen. So lässt sich über die untersuchte Stichprobe verallgemeinern, dass auf jedem zweiten Feld mindestens eine deutliche ertragsrelevante Beeinträchtigung existiert. Und das bei einem Wachstumsfaktor, den wir eigentlich mit der Düngung „in der Hand“ haben und verbessern könnten. Leider muss man immer wieder feststellen: Grunddüngung und Kalkung werden noch viel zu oft stiefmütterlich gehandhabt!

 

Aber was ist der Grund?

Liegt es vielleicht daran, dass man der Sinnhaftigkeit einer optimalen Grunddüngung nicht vertraut? Ist das Gehaltsklassensystem mit seiner Düngeempfehlung überholt? Beschäftigen wir uns zunächst mit der Frage, wo unser Gehaltsklassen-Düngesystem herkommt: Hinter dem System stehen unzählige einzelne Feldversuche zur Grunddüngung, durchgeführt von der Offizialberatung über mittlerweile viele Jahrzehnte auf zahlreichen Standorten in Deutschland. Darin wurden die resultierenden Ertragseffekte aus der Düngung mit Grundnährstoffen und dem Kalk bei verschiedenen Nährstoff-Ausgangsversorgungen untersucht und ausgewertet. Die Empfehlung unseres heutigen Düngesystems basiert nun darauf, dass die empfohlene Düngehöhe auch eine entsprechende Ertragsreaktion hervorruft (mehr dazu beispielsweise hier). Es geht also vordergründig nicht darum, den Boden „aufzudüngen“ - das ist "nur" der Nebeneffekt. Es geht in erster Linie darum, die Ertragseffekte zu nutzen, die eine Düngung rechtfertigen! Das komfortable daran ist, dass wir hier ein unter unseren Anbaubedingungen geprüftes und faktenbasiertes System haben, welches bei Bedarf auch weiterentwickelt werden kann (beispielsweise der neue VDLUFA Standunkt zur P-Düngung).

Man muss nicht darüber streiten, ob im oberen Bereich der Gehaltsklasse „B“ nicht auch „nur“ nach Entzug gedüngt werden sollte. Es geht darum, dem System im „Großen und Ganzen“ zu folgen. Wir müssen also in der Gehaltsklasse „A“ tatsächlich mehr machen, als nur die Entzugsdüngung (und dann in den überversorgen Bereichen auch mal die Düngung zu unterlassen…). Insbesondere in Jahren mit extremen Witterungsereignissen (Frühjahrs- und Vorsommertrockenheit, lange Frostperioden, …) werden die Ergebnisse einer fachlich richtigen Grunddüngung sichtbar.

 

P-Düngewirkung in statischen Feldversuchen

In Abbildung 2 ist das Ergebnis eines Düngeversuchs für das letzte Jahr von einem Winterweizenschlag gezeigt, welches von Dr. Zorn (Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft, Jena) auf der letztjährigen Dünge- und Pflanzenschutztagung in Thüringen vorgestellt wurde. Es zeigt sich, dass die Düngung über Entzug auch ertraglich ihre Berechtigung hat.

Nun führt kein Betrieb Exaktfeldversuche durch und kann sich regelmäßig selbst vergewissern, dass die grunddüngebasierten Ertragseffekte im Schnitt der Jahre auch tatsächlich kommen. Eine interessante Auswertung hierzu wurde von Karl-Heinz Mann auf der DLG Wintertagung 2015 (DLG Mitgliedsnummer für Download notwendig) vorgestellt.

 

 

Weizenerträge im Vergleich

Er zeigt, dass auf einem Betrieb (Verwitterungsstandort mit ca. 56 Bodenpunkten, Ausgangsversorgung für Phosphor und Kalium in Gehaltsklasse „A“ und „B“, durchschnittlicher pH-Wert bei 6,1) mit langjährig negativen P- und K-Bilanzsalden der Ertragsunterschied zu Betrieben mit einer ausgeglichenen bzw. leicht positiven langjährigen Nährstoffbilanz sehr deutlich ausfällt: Nach 12 Jahren beträgt dieser 11 dt/ha für den Weizen und 13 dt/ha für die Gerste (siehe Abbildung 3). Ich wiederhole: Nach 11 Jahren über eine Tonne Ertragsunterschied für Getreide pro Hektar und Jahr zwischen den Betrieben, die die Grunddüngung im Griff haben und den Betrieben, die langjährig sparen!

 

Liegt es an der komplexen Organisation der Grunddüngung?

Wenn man nun von der Sinnhaftigkeit der richtigen Grunddüngestrategie überzeugt ist (und ich hoffe, Sie sind es spätestens jetzt), dann muss man "nur" noch die Umsetzung richtig hinbekommen. Also: die richtige Menge an P, K, Mg und Kalk zum richtigen Zeitpunkt (zur richtigen Fruchtart bei einer Fruchtfolgedüngung) und mit der richtigen teilflächenspezifischen Verteilung. Und hier kann es schnell komplex werden. Denn: Die Bodenuntersuchung, die war vor zwei Jahren und liegt säuberlich abgeheftet im Aktenschrank. Die Güllebehälter sind voll und müssen dringend bis zur Sperrzeit leergefahren werden. Und die Kalkung kommt einem im Sommer in den Kopf, wenn sowieso keine Zeit zur gründlichen Planung ist. Außerdem kommt man in einem 4-6 jährigen Planungszeitraum heutzutage sowieso nicht mehr mit einer starren Planung zurecht. Das System muss mindestens einmal jährlich an die neue Situation (aktuelle Fruchtfolgeplanung, tatsächlich geerntete Erträge, neue Laboranalysen für die Gülle etc.) angepasst werden. Ich bin mir sicher, dass hier eine ganze Menge an Fallstricken liegen, die den geordneten, planvollen Ablauf der Grunddüngung behindern, wenn nicht sogar unmöglich machen. Zumindest bisher.

Hier haben wir eine Stelle identifiziert, wo die Digitalisierung in der Pflanzenproduktion auch heute schon einen echten Mehrwert bringt und absolut Sinn macht! Einzige Voraussetzung ist, dass die Ergebnisse der Bodenuntersuchung GPS-gestützt gezogen wurden. Der Rest lässt sich hochgradig automatisieren, wenn die regionsspezifischen Düngeregeln (manche Bundesländer haben leicht unterschiedliche Herangehensweisen) in Form eines Algorithmus mathematisiert in einer Software hinterlegt sind. Zusätzlich notwendig ist noch die Kenntnis der Fruchtfolge samt Ertragszielen. Dann kann es losgehen und wortwörtlich mit wenigen Klicks kann die gesamte Grunddüngeplanung für einen Betrieb erledigt werden, agronomisch-fachlich sauber und teilflächenspezifisch optimiert. Im agriPORT ist diese Anwendung für die Grunddüngung hinterlegt (hier finden Sie ein kurzes Video zur Kalkplanung für 2.000 ha in einer Minute). Viele Betriebe nutzen das heute schon sehr erfolgreich.

Zu guter Letzt sollte man noch die Frage der Kosten diskutieren, die man einkalkulieren muss, um eine präzise Düngeplanung samt Streukarten zu erhalten. Von der Probenahme über das Berechnungsprogramm mit Zugang zu allem agronomisch wichtigen Wissen muss ein Betrieb zwischen 2 und 4 €/ha/Jahr* investieren. Da kommt vielleicht noch eine Stunde Arbeit am Computer pro Jahr dazu, um den Datenbestand aktuell zu halten (Feldgrenzen und Fruchtfolge anpassen, Ausbringung buchen, ...). Den Rest übernimmt die Software. Damit hat man eine genaue Einkaufsliste der Dünger, eine präzise Übersicht, was wann wohin kommen soll (samt Verteilplan für die Organik sowie die Kalklogistik) und natürlich die Streukarten (für alle Terminalformate). Diese Kosten steuern anschließend das jährliche Grundnährstoffbudget von 50 bis 150 €/ha, was an Kosten für den Bezug von Grundnährstoffen anfällt. 

Als Fazit lässt sich zusammenfassen, dass die präzise Grunddüngung nach anerkannten Düngeregeln absolut sinnvoll und notwendig ist. Außerdem existieren heute gute Werkzeuge, um die Organisation zu vereinfachen. Probieren Sie es aus - wir beraten Sie gerne!

*abhängig vom Flächenumfang, der Berechnung wurden 200 bis 2.000 ha unterstellt.

 

 

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