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19.04.2019 - Olaf Schultz (E-Mail schreiben an Olaf Schultz)

Agricon digitalisiert europäischen Ackerbau

Dieser Text erschien am 18.04.2019 in der agrarzeitung

 

Dass eine immer intensiver betriebene Landwirtschaft jedoch auch schnell an ihre Grenzen kommt, wird hierzulande derzeit mehr als deutlich: Die Gesellschaft protestiert gegen Biodiversitätsverlust auf den Äckern und übermäßige Nährstoffeinträge ins Grundwasser. Politiker entziehen wichtigen Pflanzenschutzmitteln die Zulassung und verschärfen gesetzliche Düngeregelungen. Wie können Agrarbetriebe trotz diesen Herausforderungen stabile Erträge erzielen?

Die Firma Agricon befasst sich seit über 20 Jahren mit dieser Frage. In Ostrau, gelegen zwischen Leipzig und Dresden, arbeiten Agraringenieure und Informatiker an digitalen Lösungen, um durch reduzierten Betriebsmitteleinsatz Erträge auf dem Feld zu steigern. „Ressourcen- und Umweltschutz stehen dabei klar im Fokus“, erläutert Dr. Martin Schneider gegenüber der agrarzeitung (az). So wird bei Agricon an einem Cloud-basierten Managementsystem gearbeitet, das – gepaart mit innovativer Sensortechnik – eine nachhaltige Intensivierung der Pflanzenproduktion ermöglicht.

Sie überzeugten vor drei Jahren mit ihrem Projektantrag „agriCLOUD“ Vertreter der EU. Im Rahmen des Innovations- und Forschungsprogramms „Horizont 2020“ (siehe Infobox) wurden den Sachsen finanzielle Mittel bereitgestellt, um ihre intelligenten Technologien auf sechs Betrieben in Deutschland, dem Baltikum, Polen und Ungarn zu implementieren und über einen Zeitraum von 24 Monaten zu testen. „Zunächst wurden die teilnehmenden Landwirte von Mitarbeitern unseres Unternehmens geschult“, erinnert sich Schneider. „Keine Technik ohne Beratung“ lautete die Devise. Nach wenigen Tagen waren die Betriebsleiter bereit, die digitalen Werkzeuge in den Segmenten Grund- und Stickstoffdüngung sowie im Pflanzenschutz zu nutzen.

Die GPS-gestützte Probeentnahme identifiziert Nährstoffmängel auf Teilflächen.

Durch Messungen der Leitfähigkeit des Bodens und eine darauf aufbauende GPS-gestützte Probeentnahme konnten Nährstoffmängel auf einzelnen Teilflächen identifiziert werden. Der gezielte Einsatz von Phosphor regte das Wurzelwachstum der Pflanzen an, Kalium verbesserte ihre Fähigkeit zur Wasserregulierung und Kalk sorgte für optimale Boden-pH-Werte. Um Stickstoffdünger auf den Flächen variabel ausbringen zu können, kam der N-Sensor der Firma Yara zum Einsatz. „Durch die automatische Anpassung der Düngemenge an den Stickstoffbedarf der Bestände in Echtzeit konnten Umwelteinwirkungen wie Lachgasemission und Nitratauswaschung auf ein Minimum reduziert werden“, so Schneider. Auch die Applikation von Wachstumsreglern und Fungiziden sei durch Sensoren reguliert worden. Durch das Montieren von P3-Sensoren (Precision Plant Protection) auf Feldspritzen und Selbstfahrern hätten die Landwirte Pflanzenschutzmittel einsparen können, ohne die Bildung von Resistenzen zu riskieren.

Durch den sensorgestützten Einsatz von Fungiziden und Wachstumsreglern können Mittel eingespart und die Umwelt geschont werden.

Alle von Scannern und Sensoren erzeugten Daten wurden in der „agriCLOUD“ gesichert und konnten online von den Landwirten ausgewertet werden. So kann die Wirkung der Digitalisierung laut Agricon auch in Zahlen ausgedrückt werden: Die Erträge wurden länderübergreifend um 3 bis 10 Prozent gesteigert, bei einer gleichzeitigen Reduzierung der Stickstoffdüngemengen von 12 bis 20 Prozent. Der Einsatz von Spritzmitteln wurde in ähnlicher Weise minimiert und Lager fast gänzlich vermieden. Dies erhöhte die Druschleistung um durchschnittlich 16 Prozent. „In den zwei Jahren, in denen die Landwirte Cloud-basiert Ackerbau betrieben, konnten sie im Mittel rund 130 Euro je Hektar jährlich mehr erwirtschaften“, sagt Schneider.

Die gewonnenen Erkenntnisse aus dem von der EU geförderten Forschungsprojekt stimmen die Agraringenieure und Informatiker aus Sachsen optimistisch: Sie wollen „agriCLOUD“ schnellstmöglich zur Marktreife bringen und dafür weiterhin mit Landwirten in ganz Europa zusammenarbeiten. Nur so können sie Bedürfnisse der Praxis in die Optimierung der digitalen Lösungen einfließen lassen und sie dabei unterstützen, die Herausforderungen der Zukunft zu meistern.

Brüssel unterstützt Nachhaltigkeit

"Horizont 2020" ist ein EU-Förderprogramm für Forschung und Innovation mit dem erklärten Ziel, zu einer nachhaltigen Entwicklung von Gesellschaft und Wirtschaft beizutragen. "Horizont 2020" besteht aus den drei Teilen "Wissenschaftsexzellenz", "Führende Rolle der Industrie" sowie "Gesellschaftliche  Herausforderungen". Im Fokus des letzten Teils stehen Ernährungs- und Lebensmittelsicherheit sowie eine nachhaltige Landwirtschaft. Durch Smart Farming wird es möglich, ressourceneffizient sowie klima- und umweltschonend zu wirtschaften.

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