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25.04.2019 - Bodo Hanns (E-Mail schreiben an Bodo Hanns)

Mit variabler N-Düngung Erträge steigern und Stickstoff sparen

Die novellierte Düngeverordnung zeigt in diesem Frühjahr erstmals besonders große Wirkung auf die N-Düngung landwirtschaftlicher Betriebe. Beschränkungen durch den Düngebedarfswert lassen zum Teil weniger als 100 kg N/ha in Weizen oder Raps zu. Der betriebliche Nährstoffvergleich und dessen Verschärfung auf 50 kg N-Bilanzüberschuss je Hektar im 3-jährigen Mittel wird für viele Betriebe zur Herausforderung. Niedrige Erträge aus dem Vorjahr bei gleichzeitig „normalen N-Düngermengen“, aber auch weiterhin anfallende hohe Organikmengen lassen so manchen Landwirte ins Grübeln und Schwitzen kommen. Vor diesem Hintergrund ist die Steigerung der N-Effizienz jetzt von höchster Bedeutung! Um dies zu erreichen, müssen N-Düngermittel bedarfsgerecht ausbringen.

Postive Effekte sind wissenschaftlich bewiesen

Die Effekte auf Ertrag und N-Düngereinssatz gehören sicher zu den am besten untersuchten Parametern im Precision Farming. Sind diese Versuche doch mit einer funktionierenden Ertragskartierung sowie einer ordentlichen Dokumentation der N-Düngermengen verhältnismäßig einfach umzusetzen.

Die von Agricon und Partnern angestellten Versuche im Zeitraum 2001 bis 2014 belegen folgende Vorteilswirkung:

ErtragssteigerungN-EinsparungN-Bilanz
Winterweizen5%6%18 kg N/ha
Winterraps5%8%22 kg N/ha

Tabelle 1: Vorteilswirkung der variablen im Vergleich zur konstanten N-Düngung. Berechnung aus 53 Versuchen WW und 17 Versuchen WR.



Unterstellt man für Weizen einen Preis von 18 € und für Stickstoffdünger 0,95 €, so ergeben sich im Durchschnitt Mehrerlöse von 74 €/ha. Im Raps können bei einem angenommenen Preis von 35 €/dt Mehrerlöse von 92 €/ha erzielt werden.

Woher kommen diese Effekte?

Der Vorteil der variablen N-Düngung liegt zum einen darin, dass wir mit intelligenten und stets objektiven Werkzeugen arbeiten. Werden diese in Kombination mit agronomischen Grundregeln eingesetzt, stellen sich die Effekte quasi fast von alleine ein. Diese Grundregeln sind:

  1. Jedes Jahr ist anders. Pflanzenwachstum, N-Nachlieferung aus dem Boden, Witterungsverläufe etc. unterscheiden sich fast immer vom Vorjahr. Insofern sind aus den Erfahrungen der Vorjahre nur bedingt direkte Rückschlüsse auf die N-Düngung des aktuellen Jahres möglich. Anhand der mit rot markeirten Beispiele in Tabelle 1 wird dies mehr als deutlich.
  2. Zwischen dem Ertrag und der dafür optimalen N-Düngungshöhe gibt es keinen Zusammenhang. Mit der Umsetzung von Durchschnittswerten oder Planerträgen („Mein Ziel sind 90 dt Weizen, dafür benötige ich 200 kg N-Dünger) kann man optimale Erträge nicht erreichen. Dies ist sehr deutlich in Tabelle 2 zu sehen.
  3. Das Ertragspotenzial und der dazugehörige N-Bedarf ergeben sich erst im Laufe der Vegetation. Insofern ist es nicht möglich zu Beginn der Saison die optimale N-Düngermenge festzulegen.
  4. Beide Faktoren unterscheiden sich zudem auch in den verschiedenen Teilflächen eines Schlages. Relief, Bodenunterschiede, Wasserhaltevermögen wirken kleinräumig unterschiedlich auf das Pflanzenwachstum. Die konstante Düngung auf einem Feld führt so zwangsläufig zu Über- und Unterversorgung von Teilflächen.
  5. Mit den entsprechenden Werkzeugen kann man sich immer am aktuellen N-Bedarf der Pflanzen orientieren und den N-Dünger- in der richtige Menge- zur richtigen Zeit- am richtigen Ortoptimal applizieren.

Tabelle 2: Erträge und N-Aufwand im Winterweizen auf sächsischen Versuchsstandorten. Quelle: LfULG Sachsen, ergänzt um Berechnungen der Agricon GmbH.




Die richtige Menge

Mithilfe von Pflanzenanalysen lässt sich schon seit geraumer Zeit der aktuelle N-Düngebedarf von Beständen bestimmen. Bei Getreide verwenden wir den N-Tester. Das Messgerät liefert bei zerstörungsfreier Messung konkrete Düngeempfehlungen für die Schosser- und Ährengabe. Damit ist gewährleistet, dass das Düngungsoptimum in jedem Jahr auf +/- 2-3% genau getroffen wird.

Der richtige Zeitpunkt

Den aus agronomischer Sicht richtigen Zeitpunkt für die N-Düngung kann man mit einem N-Monitoring bestimmen. Regelmäßige Messungen mit dem N-Tester an einer markierten Stelle im Feld bieten eine sehr gute Sicht darauf, ob ein Bestand wieder gedüngt werden muss, ob vorige Gaben aufgenommen wurden, die Mineralisierung von Boden-N eingesetzt hat oder Organik-N wirkt.

Der richtige Ort

Die Heterogenität von Teilflächen kann anschließend mit dem YARA N-Sensor ermittelt werden. Dabei misst das System die aktuelle N-Aufnahme des Pflanzenbestandes. Mit Hilfe hinterlegter wissenschaftlich basierter Regelfunktionen kann in jeder Fruchtart zu jedem relevanten Düngetermin die N-Düngung variabel umgesetzt werden.

 

 

Im Vergleich zur konstanten Düngung entsteht so eine deutlich flexiblere, am N-Bedarf der Pflanzen ausgerichtete Düngestrategie. Diese kann sich in Zeitpunkt, Höhe und Anzahl der Einzelgaben sowie der Gesamtmenge N-Dünger von der konstanten Variante unterscheiden.

Hochertragszonen ausdüngen

Die Ertragssteigerung durch eine angepasste N-Düngung wird dabei in allen Teilflächen erreicht. Schwächere Bestände werden durch erhöhte N-Gaben gefördert, besser entwickelte Teilflächen werden nicht überdüngt.

Die Ausnahme bilden stark zurückgebliebene Bestände. In diesen wird stattdessen deutlich N eingespart, wenn sich eine N-Düngung aufgrund zu niedriger gemessener N-Aufnahmen nicht mehr lohnt. Dies führt am Ende auch weiterhin zu teilweise starken Ertragsschwankungen innerhalb eines Schlages. Allerdings liegt das Gesamtniveau höher als bei einer konstanten N-Düngung. Hochertragszonen werden weiterhin ausgedüngt, Teilflächen mit geringerem Ertragspotenzial werden im Ertrag angehoben.

N-Bilanz runter - N-Effizienz rauf

Bei höheren Erträgen und gleichzeitig geringerem N-Aufwand ergibt es sich sozusagen von selbst, dass die N-Bilanz sinkt und die N-Effizienz steigt. Diese beiden Faktoren sind sicherlich nicht direkt monetär abbildbar, spielen aber eine ebenso große Rolle.

Mit der novellierten Düngeverordnung sinken einerseits die erlaubten N-Bilanzüberschüsse. Andererseits sollte durch die Beschränkung der N-Düngermengen jedes kg Stickstoff so effizient wie möglich eingesetzt werden, will man auch weiterhin ökonomisch rentablen Ackerbau betreiben. Hier konnten in den oben genannten Versuchen im Weizen durchschnittlich 10%, in Raps 12% N-Effizienzgewinn erzielt werden.

 

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