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30.08.2019 - Manuel Ermann

Precision Farming macht unsere Arbeit effizienter

Reinhard Rustler bewirtschaftet seine beiden Betriebe in Bayern und Tschechien seit mehreren Jahren teilflächenspezifisch. Er setzt dabei auf regelmäßige Bodenuntersuchungen durch Agricon und hat gute Erfahrungen mit dem N-Sensor gemacht. Der Diplomlandwirt ist davon überzeugt, dass sich Investitionen in den digitalen Pflanzenbau auch für kleinere landwirtschaftliche Betriebe lohnen. Wir haben ihn auf seinem Betrieb in der Oberpfalz besucht.

 

Herr Rustler, wie kam es dazu, dass Sie nicht nur hier in Bayern, sondern auch in der Tschechischen Republik Flächen bewirtschaften.

Meine Familie erwarb vor rund 25 Jahren etwas Land in Cheb. Das ist gut zehn Kilometer von hier entfernt. Als mein Vater Hubert dort damals begann Ackerbau zu betreiben, waren die Felder total verwahrlost und er musste auf einem Zettel nachschauen, welche Frucht er auf welchem Feld angebaut hatte - wenn denn überhaupt Getreide oder Raps wuchs. Die Böden wurden einfach zu lange vernachlässigt und der hohe Unkrautdruck in Kombination mit der Nährstoffarmut der Flächen hat uns ganz schön auf die Probe gestellt. Doch nach mühsamen zehn Jahren waren die Felder wieder in einem vorzeigbaren Zustand. 2009 übernahm ich dann den tschechischen Betrieb „HerHos“. Durch die Erfolge meines Vaters war ich motiviert und wollte die Bodenfruchtbarkeit meiner Felder weiter verbessern und so die Erträge steigern. Auf den Schlägen herrschten nämlich nach wie vor ein hoher Nährstoffbedarf und teilweise unterirdische pH-Werte. Wir mussten einen ökonomisch sinnvollen Weg finden, diese Probleme zu lösen.

 

Wie sind die vorgegangen?

Das Ausbringen von Brandkalk war eine der ersten Maßnahmen, die ich für die Felder in Tschechien plante. Ich habe dann überschlagen, wie viel Brandkalk ich wohl brauchen würde, um die pH-Werte der Böden wieder in ein Optimum zu bekommen. Aber das war mir zu ungenau. Deshalb habe ich mich dann entschieden Bodenproben ziehen zu lassen, um zunächst die wirklich bedürftigen Zonen aufkalken zu können. Außerdem war es mir wichtig herauszufinden, welche Grundnährstoffe wo fehlen. Nur mit diesen Informationen ist es dann möglich, Defizite gezielt anzugehen. Durch mein Auslandssemester in den USA kannte ich das Verfahren „Grid Sampling“. Ich war damals schon von dieser Analysemethodik beeindruckt, da sie detailliert Aufschluss über die Beschaffenheit und den Zustand des Bodens gibt. Als Landwirt brauchte ich etwas Anschauliches, einen Überblick, damit ich weiß, wo die schlechten Teilstücke sind. Eine Datenquelle, die mir sagt, du brauchst hier x mehr und dort y weniger Kalk, um die Bodenfruchtbarkeit anzuheben.

Ich habe mich dann auf die Suche nach einem Dienstleister gemacht, denn es ist meines Erachtens wenig effizient selbst Bodenproben zu ziehen. Dann waren mein Vater und ich 2014 auf den DLG-Feldtagen in Bernburg. Dort haben wir am Ende unserer Runde den Agricon Stand gesehen, auf dem „vollautomatische Bodenproben“ beworben wurden. Ich dachte mir, dort gehst du jetzt einmal hin und lässt dir ein Angebot machen. Das Auftreten der Mitarbeiter empfand ich als sehr professionell und die Beratung war wirklich gut. Das hat mir getaugt. Im Herbst 2014 haben wir dann unsere Böden untersuchen lassen und ich hatte schon kurze Zeit später diese wunderbaren Nährstoffverteilkarten. Ich hab zwar bis heute keinen Kalkstreuer, der GPS gesteuert ist, aber ich habe Streukarten die mir zeigen, wo noch etwas fehlt oder wo man sich den Brandkalk sparen kann.

 

Interviewpartner: Reinhard Rustler und Dr. Manuel Ermann


Hatten Sie vor den DLG-Feldtagen schon einmal von Agricon gehört?

Bei uns in Bayern ist Agricon noch nicht so bekannt. Und wenn man sich einmal die Karte anschaut, wo in Deutschland überwiegend die N-Sensoren laufen, dann ist das vor allem in den neuen Bundesländern. Dort sind die Betriebe ja auch sehr viel größer als anderswo und man kann die digitale Technik auf den weiten Flächen wunderbar nutzen. Aber ich denke, auch für kleinere landwirtschaftliche Betriebe kann der N-Sensor einen Mehrwert generieren. Hier in Bayern sagen die Landwirte aber eher „Ach, viel zu teuer!“ oder „Was soll ich damit?“. Das sind die absolut falschen Fragen. Klar, die Investitionskosten für einen N-Sensor scheinen im ersten Moment relativ hoch. Aber ganz ehrlich? In unserer Region wird bei 120.000€ für ein Güllefahrzeug nicht einmal mit der Wimper gezuckt, obwohl es Organik nur konstant ausbringen kann. Dann doch lieber den Schritt in das Precision Farming zu wagen.

 

Heute besitzen und nutzen Sie einen N-Sensor?

Mein Finanzberater fragte mich vor gut fünf Jahren, durch welche zwei Maschinen das meiste Geld fließen würde. Ich antwortete ihm „Feldspritze und Düngerstreuer“. Wenn man also etwas optimieren wolle, dann müsse man genau dort ansetzen. Ich hatte immer mal wieder eine Informationsbroschüre von Agricon im Briefkasten und der N-Sensor hat mich wirklich gereizt. Immer wieder habe ich gedacht „das Teil ist schon nicht schlecht“. Vor gut fünf Jahren habe ich mich dann für die Investition in den N-Sensor entschieden und mir mit der Anlieferung am 23. Dezember 2015 selbst ein wunderbares Weihnachtsgeschenk gemacht.

Precision Farming hat mich bereits während meines Studiums sehr interessiert. Leider war aber das allgemeine Interesse damals zu gering und wir waren nur vier Studenten, die mehr in Richtung Digitalisierung machen wollen. Heute sind die entsprechenden Fächer total überlaufen und es gibt mittlerweile sogar in Nordrhein-Westfalen einen kompletten Studiengang zu Precision Farming.

Familie Rustler setzt den N-Sensor vornehmlich im Getreide und im Raps ein.


Eine spannende Entwicklung…

Um die Digitalisierung der Landwirtschaft ist in den letzten Jahren ein richtiger Hype entstanden. Dabei ist sie in meinen Augen gar nichts Neues, sondern die Technik hat sich über die Jahre einfach weiterentwickelt. Wir säen ja zum Beispiel auch nicht mehr mit der Hand, sondern nutzen Drillmaschinen. Wir haben Düngerstreuer die variierende Mengen abgeben können. Und nun haben wir den N-Sensor, der für eine optimale Verteilung von Stickstoff sorgt. Denn wenn ich nur das düngen will, was auch wirklich gebraucht wird, dann stoße ich mit meinen Augen und meinen Erfahrungen, mit Zettel und Stift ziemlich schnell an meine Grenzen. Aber Digitalisierung heißt auf keinen Fall, dass man den Kopf abschalten kann oder alles den Algorithmen überlassen sollte. Es ist durchaus ratsam zu überprüfen, ob man auch ohne Unterstützung des N-Sensors ähnlich viel gedüngt hätte.

 

Können Sie das bitte ein bisschen näher erläutern?

Ich nutze den N-Tester, um den Chlorophyllgehalt meiner Pflanzen zu kontrollieren. Daraus errechnet das kleine Werkzeug eine Düngeempfehlung, was ich unglaublich toll finde. Im ersten Jahr kam mein N-Tester auf ein paar Teilstücken nicht über Werte um die 600, dabei wären 700 optimal gewesen. Da habe ich mir seinerzeit die Frage gestellt, ob hier eventuell etwas zu schwach gedüngt wurde? Aber am Ende waren die Erträge top. Im Jahr 2017 habe ich sogar die dritte Gabe einfach ausgelassen. Die Empfehlung des N-Testers lag bei null. Das konnte ich zunächst nicht so recht glauben und nahm mir deshalb etwas Zeit für eine Überprüfung. Ich kenne ja meine schlechteren Teilstücke und bin hin und her gelaufen und habe die Pflanzen getestet. Es fehlte ihnen an nichts. Immer wieder habe ich getestet, ob die Werte nicht vielleicht doch abfallen und eine dritte Gabe doch nötig werden würde. Aber nichts davon trat ein und so strich ich die Gabe, was keinerlei negative Auswirkungen auf unsere Ernte hatte.

 

Kommen wir noch einmal zurück zum N-Sensor. Wie verlief die erste Saison?

Die erste Gabe Stickstoff war für mich noch nie ein Problem, da ich meine Felder kenne. Aber dann kommt auch irgendwann die zweite Gabe und mit ihr die Frage welche Mengen Stickstoffdünger muss ich jetzt ausbringen? Da hilft dir ein digitales Werkzeug wie der N-Sensor ungemein. Er sagt dir, wo die Pflanzen schon gut versorgt sind und wo noch nicht. Manchmal stimmte meine Einschätzung fast komplett mit dem N-Sensor überein. Ich hätte hier und da vielleicht 10 kg mehr gestreut. Dann wieder ging er bis auf 80 kg rauf, wo ich nur 50 kg gegeben hätte. Das irritierte mich, aber der Fachberater bei Agricon hat mir empfohlen, dem N-Sensor zu vertrauen und keine Änderungen vorzunehmen. Schlussendlich zeigten die Durchschnittswerte dann, dass trotz der großen Schwankungen insgesamt weniger Stickstoffdünger verbraucht wurde, als in vorherigen Jahren. Das hat mich positiv überrascht.

 

Wie sah es mit stickstoffbedingtem Lager aus?

Lager hatten wir immer schon gut im Griff. Der N-Sensor verhalf uns aber 2016 auch die letzten verbliebenen Lager zu vermeiden. Als wir dann zur Ernte mit dem Drescher über die Felder fuhren, hat sich schon gezeigt, dass die Erträge viel gleichmäßiger waren. Wir hatten wie gesagt kein Lager und waren daher mit der Ernte viel früher fertig. Die Anschaffung hatte sich also bereits nach der ersten Saison als positiv erwiesen.

 

Regelmäßig werden auch Herbstscans im Winterweizen durchgeführt.


Hat sich auch der Herbstscan schon einmal als positiv erwiesen?

Im vorletzten Jahr lag hier bei uns noch bis in den März hinein Schnee. Im Frühjahr gab es zudem noch lange starken Frost. Der hat unseren Raps, der im Herbst noch so gut aussah, regelrecht wegrasiert, sodass der N-Sensor nichts mehr messen konnte. Doch wir hatten Ende 2017 erstmals den Herbstscan durchgeführt und somit verfügten wir über Streukarten, die wir nun für die erste Gabe anwenden konnten. Das war wirklich ein Glücksfall und wir führen seither regelmäßig die Herbstscans durch.

 

Nutzen Sie agriPORT?

Natürlich! (lacht) Mit diesem Programm kann ich von überall aus meinen kompletten Ackerbau managen. Ich klappe dazu einfach meinen Laptop auf, stelle eine Verbindung zum Internet her und starte agriPORT. Hier kann ich dann sämtliche Feldarbeiten planen, buchen und später überprüfen. Wie viel Kalk ich für meine Schläge in Tschechien benötige, kann ich heute mit wenigen Mausklicks berechnen. Es ist dabei ganz wichtig, dass man sich intensiv mit dem Programm und seinen Modulen beschäftigt. Nur so kann agriPORT zum Vorteil des Betriebes eingesetzt werden. Ich bin erst zufrieden mit allem, seit ich verstehe wie das Programm funktioniert. Jedem Landwirt kann ich nur ans Herz legen, sich nicht nur mit der Hardware, sondern auch ausführlich mit der Software zu beschäftigen. Nur ned hudeln, dann stellt sich auch irgendwann der Erfolg ein.

 

Reinhard Rustler managt seine betrieblichen Abläufe mit agriPORT


Was können Sie Landwirten raten, die sich für einen N-Sensor interessieren?

Ein gewisses Maß an Neugier, Änderungswille und Interesse an Optimierung sind durchaus eine Voraussetzung, die der Landwirt mitbringen muss, um im Precision Farming erfolgreich sein zu können. Auch ist es nicht das Ziel, mit dem Verfahren von Agricon Dünger zu sparen. Es wird die Verteilung von Stickstoff optimiert, das ist wichtig zu wissen. Eine direkte Einsparung ergibt sich nur dann, wenn vorher zu viel ausgebracht wurde. Zugegeben, meine Felder erscheinen mir manchmal etwas heller als die der Nachbarn. Aber dann musst du dich auf deine Hände setzen und still halten. Vielleicht geht man hier und da mit dem N-Tester raus um zu sehen, was die Zahlen sagen und wartet dann weiter, zum Beispiel bis zum Regen. Abgerechnet wird immer zum Schuss, wenn du mit dem Drescher drüber fährst und die Erträge ausgezeichnet sind und die Qualität stimmt. Precision Farming nimmt uns nicht die Arbeit ab, sondern es macht sie effizienter und unterstützt uns dabei ressourcenschonend zu wirtschaften.

 

Die Fragen stellte Dr. Manuel Ermann

 

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