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02.10.2021

Startschuss Zertifikatskurs

Precision Farming Institut geht in die 2. Runde

Im August war es endlich soweit – der zweite Zertifikatskurs „Precision Farming im Jahreszyklus“ startete. Mit dabei sind 10 Teilnehmer aus 10 Betrieben in unterschiedlichen Positionen. Vom Studenten bis hin zum Vorstandvorsitzenden ist in diesem Jahr alles dabei – beste Voraussetzung, um gemeinsam über das Thema Precision Farming zu diskutieren und Erfahrungen auszutauschen. In den nächsten Monaten werden die Teilnehmer sechs Module durcharbeiten, die jeweils aus der Vermittlung grundlegender, agronomischer Zusammenhänge, der digitalen Erfassung der Daten, der praktischen Übung zur Erstellung einer Planung und dem tatsächlichen Umsetzen auf einem Feld eines Praxisbetriebes bestehen. Wir lassen die ersten Theorietage Revue passieren.

Alles Wissenswerte zum Zertifikatskurs finden Sie hier

Wie sieht die Zukunft der Landwirtschaft aus?

Prof. Dr. Thomas Herlitzius, Professor am Lehrstuhl Agrarsystemtechnik an der TU Dresden, referierte am 1. Institutstag über die Bedeutung von Precision Farming für die heutige und zukünftige Landbewirtschaftung. Gemeinsam mit den Teilnehmern diskutierte er über die aktuellen Trends der Landwirtschaft – auch in Hinblick auf deren Wirkung in der Werbung. „Die melkende Bäuerin nebst Milchkanne, der Obstbauer mit Strohhut, der vorsichtig sonnengereifte Orangen pflückt – wie für Lebensmittel geworben wird, hat oft wenig mit der Realität der Produktion zu tun. Das Problem: Die Bilder in der Werbung prägen unser Verständnis von Landwirtschaft entscheidend mit – und sorgen wie in kaum einem anderen Wirtschaftszweig für ein Auseinanderfallen von Image und Wirklichkeit.“, sagt er. Wo weniger Chemie, Dünger und am besten sowieso alles in Bio gefordert wird, steht gleichzeitig der zunehmende Bedarf nach landwirtschaftlichen Produkten und Nahrungsmitteln. Da rückt die Nachfrage nach geeigneten Maschinen und deren effizienter Einsatz immer weiter in den Fokus. Doch wann kommt eine Maschine an ihre Grenzen? Wann passt einfach keine weitere Technik mehr rein? Welche Bedenken haben Landwirte und was hindert sie an der Digitalisierung ihrer Betriebe?

Brauchen wir Ertragskarten?

Am 2. Institutstag standen Ertragskarten und -potenziale im Fokus. Bereits Herr Leitholds erste Frage, wie die Teilnehmer derzeit mit Ertragskarten arbeiten und von ihnen ableiten, zeigte, dass keiner der teilnehmenden Betriebe auf ein durchgängiges Verfahren setze. Dort hakte Herr Leithold ein und zeigte die Theorie hinter der Ertragskarte. Da die praktische Umsetzung dieser aber viele Jahre wissenschaftlich kaum beleuchtet wurde, erläuterte Herr Leithold, wie er vor einigen Jahren die Simon Blackmore-These mit Feldversuchen in Deutschland überprüfte. Umso tiefer die Teilnehmer gemeinsam mit dem Referenten in den Zahlen und Statistik versanken, umso größer wurden die Fragezeichen in den Köpfen, ob die Ertragskartierung überhaupt zweckdienlich ist. 

„Sie stehen vor Ihrem Feld und müssten sich auf Grundlage Ihrer zuvor erstellten Ertragskarten entscheiden und prognostizieren, wie viel dt/ha Ernte dieses Stück Land in diesem Jahr hergibt. Wie sieht Ihre Prognose aus und warum?“ –  diese Frage versetzte der Ertragskartierung den letzten Stoß. Denn welchen Bereich würden die Teilnehmer nach Ertrag planen? Ist es die Ausbringung von Kalk, von Fungiziden oder von Stickstoff? Und wenn man doch all dies nicht nach Ertrag plant, wofür braucht man die Ertragskartierung dann überhaupt noch?

Wie erfassen wir die Standortqualität digital?

Der 3. und 4. Institutstag stand im Zeichen der Standortvariabilität und -qualität und der sich daraus ergebenen Grunddüngung. Zu Beginn wurden die Grundlagen der Bodenwissenschaften zur Bodenart und den Grundnährstoffen wiederholt, um darauf aufbauend den wissenschaftlichen Stand zur Ermittlung des Gründünger-Bedarfs und seinen Einfluss auf Ertrag und Wachstums zu beleuchten. Auf dieser Basis erläuterten die Teilnehmenden zusammen mit Herrn Leithold die unterschiedlichen Verfahren zur Bestimmung der Standortvariabilität. In einem waren sich alle einig, die Natur ist konsequent heterogen. Doch welche Verfahren stehen den Praktikern zu Verfügung, um diese Heterogenität zu quantifizieren und welche sind eher für die Wissenschaft vorbehalten. Die verschiedenen Herangehensweisen, wie Reichsbodenschätzung, Ertragskarten, mehrere Bodenleitfähigkeitsmessungen und Höhenmodelle wurden anhand von Praxisbeispielen vorgestellt und die Vor- und Nachteile gemeinsam ausgearbeitet. Die nächste Frage, die es zu beantworten galt, war, welchen Nutzen man aus den erhobenen Daten zieht und welche Handlungsempfehlungen daraus resultieren.

An dieser Stelle wurde vor allem auf die georeferenzierte Bodenprobenahme eingegangen. Welche Qualitätsanforderungen müssen mindestens erfüllt werden, um den Standardfehler möglichst klein zu halten. Auch hier konnte Herr Leithold aus seiner über 20-jährigen Erfahrung und dem enormen Fundus an selbstangelegten Versuchen der Agricon aus allen Vollen schöpfen. Herr Leithold nahm vorweg, dass viele Landwirte bei der Auswahl der Rastergröße mittlerweile von einem 3 Hektar Raster zu einem 1 Hektar Raster wechseln, da die Ertragseffekte bei optimaler Verteilung der Grundnährstoffe in keiner Relation zu den Beprobungskosten stehen. Um diese Aussage zu belegen, wurde anhand einer Modellrechnung auf mehreren Praxisbetrieben der entgangene Ertrag bei aktueller Grundnährstoffversorgung kalkuliert. Mit welchen Ertragseinbußen muss auf der Teilfläche gerechnet werden, wenn die Phosphor-Gehaltsklasse in B liegt und die Zuckerrübe die stehende Kultur ist?  

Anschließend wurde es praktischer. Nun hieß es Ohren spitzen und genau hinsehen. Denn Herr Heinitz, Verantwortlicher Produktmanager im Bereich Grunddüngung, stellte die Übungsaufgabe vor, welche die Teilnehmer selbständig nach ähnlichem Vorgehen zu Hause zu bewältigten haben. Innerhalb von zwei Stunden wurde in der Gruppe in dem Nährstoffmanagementprogramm agriPORT eine komplette Düngeplanung über 4 Jahre auf einem 1.400 großen Betrieb mit über 50 Schlägen erstellt. Herr Leithold erklärte die agronomische Herangehensweise. Zum Beispiel muss zuerst ph-Wert in Ordnung gebracht werden und sollte die zukünftig ausgebrachte Organik bereits heute bei der Erstellung von mineralischen Streukarten berücksichtigt werden. Diese und andere hilfreichen Tipps stießen bei den praktizierenden Landwirten auf reichlich Interesse. Nachdem die Kalk-, Phosphor- und Kaliumstreukarten für das aktuelle Erntejahr auf das Terminal übermittelt wurde und eine Düngereinkaufliste entstand, konnte die Düngeplanung abgeschlossen werden. Nach so viel Input durften die Teilnehmer am Ende des Tages noch einmal raus und frische Luft schnappen. Auf einem nahegelegenen Feld durfte die Beprobungstechnikerin Frau Hanika aus der Kartierungsabteilung die „Non-Stop“-Beprobungstechnik im Praxiseinsatz demonstrieren, währenddessen die Teilnehmer mitfahren konnten und so alles genau unter die Lupe nehmen durften.

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