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15.04.2024

Probleme erkennen - Jetzt handeln (Teil 1)

Zum Rückgang der Erträge und Qualitäten in Deutschland

Kürzlich gingen die Schulungen und Arbeitskreise der Agricon GmbH mit rund 400 Teilnehmern zu Ende. Im Fokus stand erwartungsgemäß die Gestaltung der Stickstoffdüngung und den Restriktionen der Düngeverordnung und den veränderten klimatischen Bedingungen. 

Bei der Analyse der Problemlagen kristallisierten sich vor allem 4 Themenbereich stark heraus.

  1. Größtes Problem ist für die Betriebe der Umgang mit der Vorsommer- bzw. auch Frühjahrstrockenheit.
  2. In allen Regionen wurden die stetig zurückgehenden Rohproteingehalte angesprochen. Insgesamt traf man die Aussage, dass man beim Winterweizen rund eine Qualitätsklasse nach unten abgerutscht ist.
  3. Dem einher gehen die Befürchtungen, dass die Erträge auch schon begonnen haben nachzugeben. Über alle Teilnehmer hinweg liegen die Schätzungen bei 5% Ertragsverlust durch die Restriktionen der DVO, in den roten Gebieten bei 15%. Es besteht immenser Handlungsbedarf, die N-Effektivität zu steigern, man muss und will aus dem eingesetzten Stickstoff mehr Ertrag rausholen.
  4. Die richtige Einordnung und Berücksichtigung von organischem Dünger bei der Ertragsbildung und Ersatz von Mineraldünger rundete das Gesamtbild ab.

Abschätzung der wirtschaftlichen Auswirkungen

Folgt man den Schätzungen der Betriebsleiter, dann beläuft sich allein bei der Winterweizenproduktion auf einem 80 dt/ha-Ertragsniveau der Erlösausfall bei etwa 80 €/ha Minderertrag und auf 60 €/ha aufgrund geringerer Qualitäten. Addiert man zu diesen 140 €/ha noch den zusätzlichen Bürokratie- und Dokumentationsaufwand dann liegen die Schätzung des wirtschaftlichen Schadens aufgrund der DVO bei 160-170 €/ha.

Interessanterweise gibt es in Deutschland auch 7 Jahre nach Einführung der DVO keine substanzielle Untersuchung über die wirtschaftlichen Auswirkungen der DVO für die Betriebe. Anhand der „Prozesskostenanalyse Sachsen-Anhalt“ lassen sich allerdings langjährig die Daten über den N-Einsatz und die Entwicklung der Erträge analysieren und die Auswirkungen abschätzen. Verglichen werden hier die Mittelwerte der Winterweizenproduktion von 2009-2017 mit denen von 2018-2022.

Ergebnisse:

  • Rückgang der Erträge auf guten Standorten um 20%, auf mittleren um 12% und auf schwachen Standorten um 6%.
  • Rückgang der N-Düngung um 27%, 25% und um 11%.
  • Die N-Bilanzen veränderten sich von +20 bis +30 auf jetzt 0 bis +10 kg N/ha, bewegen sich aber im Trend tendenziell zunehmend ins Negative. Auf den guten Standorten nimmt die N-Bilanz um 16 kg/ha ab. Bei den mittleren und schwachen Standorten sind es 26 bzw. 9 kg N/ha Reduktion.
  • Rechnet man über die gesamte Betrachtungszeit mit normierten Preisen (WW 20 €/dt, 1 €/kg N) dann hat sich die wirtschaftliche Situation um 264, 122 bzw. 44 €/ha verschlechtert.

Ergänzt man diese Auswertung um die dokumentierten Ertragstrends von „Destatis“ und „Eurostat“ bzw. der „FAO“ dann rundet sich das Bild ab. Von 1950 bis ca. 2000 konnte ein durchweg positiver Trend der Ertragsentwicklung für beispielsweise WW, Winterraps und Körnermais festgestellt werden. Seit der Jahrtausendwende hat sich dieser positive Trend zunächst deutlich abgeschwächt, ab 2010 dann ins Negative verkehrt und jetzt durch die DVO noch einmal deutlich negativ beschleunigt. Die Volatilität der Erträge nimmt in gleichem Maße zu. Dies deutet darauf hin, dass es noch weitere Faktoren, die hier nicht diskutiert werden sollen, geben muss, die für die Trendumkehr der Ertragsentwicklung verantwortlich sind. Die DVO ist wahrscheinlich nur der letzte „Brandbeschleuniger“.

 


Auch aus den jährlichen Veröffentlichungen der Besonderen Ernte- und Qualitätsermittlung des Max-Rubner-Institutes lässt sich die nachlassenden Rohprotein-, Sedimentations- und Backqualitätswerte bestätigen. Der Rückgang der qualitätsbestimmenden Eigenschaften von Weizen scheinen sich in den letzten 2 Ernten sogar zu beschleunigen. Im großen Schnitt über die letzten 10 Jahre kann man feststellen, dass 1% Rohprotein und etwa 10% Backvolumen verloren gegangen sind. Damit verliert Deutschland zunehmend seine Stellung als exportstarker Qualitätsweizenlieferant. Im Futtergetreidesektor trifft dann Deutschland auf internationale Anbieter, die unter deutlich anderen Rahmenbedingungen produzieren. Das Futtergetreide wird auch auf weniger Aufnahmebereitschaft im Inland treffen, da die Tierbestände aufgrund der Haltungsauflagen zunehmend zurückgehen. Dies weckt durchaus Erinnerungen an das dänische Experiment. Spitzenpreise für deutschen Weizen dürften sich so nicht mehr realisieren lassen.

Kein guter Ausblick:

Solange sich die Betriebsleiter nicht wieder intensiv Gedanken machen über die optimale N-Düngung werden sowohl die Trends negativer Ertrags- und Qualitätsentwicklung als auch des Aufzehrens von Bodenfruchtbarkeit und Betriebsvermögen weiter anhalten. Bei Fortsetzung der gegenwärtigen Düngungspraxis kommt die Negativspirale erst dann zum Stehen, wenn die Erträge und Qualitäten soweit abgesunken sind bis sich wieder eine ausgeglichenere N-Bilanz (+30 … +50 kg N/ha) einstellt. Da den Standorten mit geringeren Erträgen durch die DVO die höheren Stickstoff-Bedarfs-Werte (kg N/dt Ertrag) zugebilligt werden kommt es zuerst auf den Hochertrags- und dann auf den Mittelertragsgebieten zu einem verstärkten Absenken der Qualitäten und der Erträge. Es ist allerhöchste Zeit, sich wieder der (agronomischen) Produktionstechnik zuzuwenden.

 

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