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04.10.2019 - Bodo Hanns (E-Mail schreiben an Bodo Hanns)

Der Herbstscan von Getreide und Raps – Ihre Versicherung für richtiges Andüngen und hohe Erträge

Der Herbstscan von Getreide und Raps – Ihre Versicherung für richtiges Andüngen und hohe Erträge

Viele Landwirte haben jetzt im Oktober mit dem „Herbstscan“ begonnen. Dabei messen sie mit ihrem YARA N-Sensor® die aktuelle N-Aufnahme der Winterrapsbestände. Auf Grundlage der durch dieses Verfahren gewonnenen Daten können sie Streukarten für die erste N-Gabe im kommenden Frühjahr berechnen. Dadurch wird sichergestellt, dass die Bestände optimal mit Stickstoff angedüngt werden. Durch den „Herbstscan“ können im Winterraps durchschnittlich 12% Stickstoffdünger eingespart und die Erträge zeitgleich um bis zu 5% gesteigert werden. Dass diese Vorgehensweise in Wintergetreide zu ähnlich positiven Effekte führt, zeigen aktuelle Ergebnisse aus der landwirtschaftlichen Praxis.

Ein „Herbstscan“? Was soll das bringen?

Im Herbst sollte man schon an die Andüngung im Frühjahr denken. Wie wird die richtige Höhe der Andüngung im Frühjahr ermittelt? Wie reagiert man teilflächenspezifisch auf unterschiedlich entwickelt Bestände?

Die bisherige Vorgehensweise war, die erste N-Gabe auf Basis von Nmin-Untersuchungen oder Bilanzmodellen zu ermitteln. Das machen entweder Labore, die Landesanstalten oder Ihr Berater. Das Problem daran ist, dass nur sehr wenige Nmin-Untersuchungen durchgeführt werden und diese die reale kleinräumige Verteilung nicht im Geringsten widerspiegeln. Andererseits hat man mittlerweile auch verstanden, dass der Nmin-Wert und die richtige Höhe der ersten N-Gabe nur sehr gering zusammenhängen. Bilanzmodelle sind gänzlich ungeeignet. Was also tun?

Bereits vor zehn Jahren konnten Agrarwissenschaftler der Universität Kiel belegen, dass die N-Aufnahme von Raps im Herbst eine ganz enge Beziehung zur optimalen Höhe der ersten N-Gabe aufweist. Je höher die N-Aufnahme im Herbst ist (sprich, je besser entwickelt die Bestände sind) desto geringer muss die Düngung ausfallen. Gleiches gilt auch für Wintergetreide.

Die N-Aufnahme im Herbst ist sogar besser geeignet, da sie stärker mit der Höhe der ersten N-Gabe korreliert, als wenn man online fahren würde. Nach dem Winter messen wir oft noch den durch Winterwitterung ausgelösten Pflanzenstress. Es kann Raureif oder Schneereste im Bestand sein, die die Messungen verfälschen. Mit dem heutigen Wissensstand ist die Vorwinter-N-Aufnahme der beste Parameter für die Bemessung der ersten N-Gabe.

Scannen mit einem YARA N-Sensor®

Für einen „Herbstscan“ nutzt man den YARA N-Sensor®. Mit seiner Hilfe können in Raps, Gerste, Roggen, Triticale und normal gesätem Weizen, kleinräumig Unterschiede in der N-Aufnahme der Pflanzenbestände ermittelt werden. 

Das Sensorsystem wird auf dem Dach eines Trägerfahrzeuges montiert. Die neue Generation des YARA N-Sensor® ALS kann aufgrund seiner Flexibilität auch direkt an Geräten wie pneumatischen Düngerstreuern angebracht werden. Während der Überfahrt scannen die Sensorköpfe dann links und rechts der Fahrgasse den Pflanzenbestand und messen dessen aktuelle N-Aufnahme in kg N/ha. Unterschiede von 60-90 kg N-Aufnahme/ha im Winterraps und 20-40 kg N/ha im Wintergetreide sind innerhalb eines Schlags keine Seltenheit. Es ist eher die Normalität. Darauf sollten wir so früh wie möglich mit einer angepassten Düngungsmenge reagieren.

Die Daten, die der YARA N-Sensor® ermittelt, werden automatisch an agriPORT gesendet und gespeichert. Zurück im Büro kann man sich feldspezifische N-Aufnahme-Karten anzeigen lassen. Sie sind die Grundlage für entsprechende Streukarten zur ersten N-Gabe im Frühjahr. Landwirte, Pflanzenbauberater oder andere Dienstleister müssen in agriPORT nur noch den Sollwert für die N-Aufnahme, die durchschnittlich abgestorbene Biomasse und Minimum bzw. Maximum angeben. Danach erzeugt das System die N-Streukarten.

Anhand dieses Beispiels eines "Herbstscans" im Raps ist gut zu erkennen, wie stark die N-Aufnahme innerhalb eines Schlages variieren kann. Legt man nun für die erste N-Gabe im Raps einen allgemeinen Zielwert/Sollwert der N-Aufnahme von bspw. 160 kg/ha zugrunde, ergeben sich für die dargestellte Karte optimale N-Düngungsmengen.

Eine konstante Düngung würde hier zu einer deutlichen Über- oder Unterversorgung der Teilfläche führen.

Weshalb man auch Wintergetreide im Herbst scannen sollte

Die beschriebene Vorgehensweise hat sich im Winterraps seit Jahren sehr gut bewährt. Im Wintergetreide empfehlen wir dieses Verfahren ebenfalls vorbehaltlos. Die sehr guten Praxiserfahrungen und die Ergebnisse aus Praxisversuchen zeigen, dass wir mit einer an den Bestand angepassten ersten N-Gabe die Pflanzen sehr gut auf Frühjahrstrockenheit konditionieren können.

In unseren Untersuchungen konnten wir zeigen, dass Wintergerste im Herbst 2018 mittlere N-Aufnahmeunterschiede zwischen 10 und 43 kg N/ha und Winterweizen zwischen 5 und 23 kg N/ha aufwiesen. Diese Unterschiede machten im Frühjahr 2019 rund zwei bis drei Wochen Vegetationszeit aus. In schwierigen Jahren ist es ganz entscheidend, den Pflanzenbestand bis zum Schossbeginn weitestgehend geschlossen zu haben. Gelingt uns dies, wachsen die Bestände nahezu mühelos durch die Frühjahrstrockenheit. Die Pflanzen beschatten den Boden vollkommen, die Temperatur im Bestand ist geringer, mehr Tau, weniger Verdunstung.

Gut entwickelte Bestände schaffen diesen notwendigen Entwicklungsprozess mühelos. Schwache Bestände mit geringen N-Aufnahmen, dagegen oft nicht. Hier ist es zwingend notwendig, mit einer stark betonten ersten N-Gabe einen starken Entwicklungs- und Bestockungsreiz auszulösen. Diese hohe Stickstoffmenge wird in der Regel nicht aufgebraucht bis zum Schossbeginn. Der überschüssige Stickstoff steht aber dann als Reserve im Boden bereit, falls aufgrund von Frühjahrstrockenheit der Stickstoffdünger der zweiten N-Gabe nicht gleich in Lösung geht. Durch sorgfältige Bestandsüberwachung mit dem N-Tester wird diese überschüssige Menge später wieder eingefangen.

Um Bestände mit hoher N-Aufnahme nicht zu überziehen erhalten diese demzufolge weniger Stickstoff, Bestände mit geringer N-Aufnahme im Herbst werden entsprechend stärker gedüngt. Bei N-Aufnahmeunterschieden von 10 bis 40 kg/ha ergibt sich demnach eine N-Düngung, die zum Beispiel zwischen 100 und 30 kg N/ha innerhalb eines Schlages variieren kann. 

 

Beim "Herbstscan" von Raps und Getreide sollten Sie stets sechs wichtige Punkte beachten:

 

  1. Beim Scannen müssen die Pflanzen noch vegetativ aktiv sein. Bei Getreide ist das oft bis zum Jahresende der Fall. Raps sollte zwischen Mitte Oktober und Ende November gescannt werden.
  2. Der Bestand muss frei von Raureif und Tau sein.
  3. Getreide sollte im Durchschnitt mindestens das Blattstadium EC 13/14 erreicht haben
  4. Sollten Sie beim Scannen nicht das Vegetationsende getroffen haben, können Sie weitere N-Aufnahmezuwächse bei der später stattfindenden Streukartenberechnung problemlos berücksichtigen.
  5. Passive N-Sensoren sind aktuell lediglich ca. drei Stunden täglich um die Mittagszeit einsetzbar. Optimale Einsatzbedingungen bietet dabei bedeckter Himmel.
  6. Aktiven YARA N-Sensoren® (ALS) können rund um die Uhr eingesetzt werden. Die neue Generation ALS 2 sogar bei taubedeckten Beständen.

Literaturhinweis

Dieser Text enthält inhaltliche Elemente aus den Fachartikeln „Bestandesführung schwach entwickelter Teilflächen“ (von Peer Leithold; Getreidemagazin 1/2015) und „Die neue Rapsdüngung“ (von Bodo Hanns; Raps 1/2015). Beide Artikel stellen wir Ihnen hier zum Nachlesen zur Verfügung.

 

 

 

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