N-Düngung von Sommerungen – Umverteilung von N

1. Sicherlich denken Sie jetzt, das ist aber komisch, wieso fangen wir jetzt mit den Sommerungen an? Weil es der Startpunkt der Logik ist, Spielräume beim Stickstoff aufzumachen! Die Erträge der Sommerungen (Mais, Zuckerrüben, Kartoffeln und Sommergetreide) sind von der absoluten Höhe und den Ertragstrends halbwegs akzeptabel. Dagegen verzeichnen alle Winterungen (Wintergetreide und Winterraps) zurückgehende Erträge oder abnehmende Qualitäten oder beides zusammen. Die Ursache ist schnell auszumachen: Sommerungen werden von der DVO begünstigt, Winterungen benachteiligt. Sommerungen profitieren zu 100% von der gesamten Mineralisierungssaison, Wintergetreide bestenfalls zu 50-60% und Winterraps nahezu gar nicht. Hinzu kommt, dass Hochertragsregionen durch die DVO, im Gegensatz zu den Niedrigertragsregionen, benachteiligt werden. Rote Gebiete verschärfen das Problem zusätzlich. Ohne intelligente Umverteilung von Sommerungen zu Winterungen ist das Problem nicht zu lösen. Wenn die N-Bilanzen dauerhaft und über längere Zeit gegen Null gehen oder negativ sind, dann leben Sie von der Substanz. Zuerst fallen die Qualitäten und mit 2-3 Jahren Zeitverzug sinken die Erträge. Parallel steigen Ihre Kosten stetig an. Interpolieren Sie diesen Trend, steht am Ende die Betriebsaufgabe. Einzige Alternative ist dann, aus Notwehr zu handeln und N-Mengen zuzuführen, die nicht in der Dokumentation auftauchen. Es sollte mittlerweile bekannt sein, dass es kein reales, sondern nur ein politisch gewolltes „Umweltproblem“ gibt und Sie andere Menschen nicht mit Ihrer Arbeit als Landwirt schädigen.

N-Düngung von Winterraps

2. Die N-Bilanzen sind seit gut 7 Jahren negativ und man sieht in großen Maßen im Winterraps schon im Herbst starken N-Mangel in Form der Vergilbung der ältesten Blätter. Die N-Aufnahme des Winterraps vor Winter ist in den letzten Jahren von durchschnittlich 80 auf 60 kg N-Aufnahme je ha gesunken. Es fehlen 1/4 der üblichen Vorwinterentwicklung. Und wenn die These stimmt, dass 2/3 des Rapsertrages im Herbst gemacht werden, dann fehlen somit 1/6 des Samenertrages, das entspricht 4-5 dt/ha Minderertrag allein durch schlechte Pflanzenernährung. Dies korreliert ziemlich genau mit dem negativen Trend der Entwicklung der Rapserträge der letzten Jahre. 

Ziel müssen mindestens 80 kg N-Aufnahme vor Winter sein. Schnell wüchsiger Winterraps und eine ausreichend hohe N-Aufnahme bzw. Vorwinterentwicklung sind auch die beste Vorbeugung gegen Schadinsekten. Wenn der Raps dem Erdfloh davon wächst, dann sind die Risiken einer ertragsrelevanten Schädigung auch vernachlässigbar.

3. Die Düngungstermine des Winterraps fallen in eine Zeit, wo die N-Mineralisation noch nicht gestartet ist, die Böden stark wassergesättigt und sehr kalt sind. 

4. Der Winterraps muss voll ausgedüngt werden nach dem tatsächlichen N-Bedarf. Die Düngungshöhen haben sich an den agronomischen Zusammenhängen zu orientieren. Zur N1 liegt der Sollwert bei 160 und zur N2, je nach Ertragsniveau, zwischen 220-260 kg N-Aufnahme.

N-Düngung von Wintergetreide

Bis auf einige Ausnahmen sind die meisten Betriebsleiter zufrieden mit der Ernte 2025. Die Fallzahlen waren zwar vielerorts aufgrund der späten Ernte gedrückt, aber alles in allem hat es gepasst. Wenn, ja wenn die Preise jetzt nicht so niedrig wären. Auf die Preisfindung haben wir keinen Einfluss, aber auf Ertragshöhe und Qualität schon. 

5. Im Wintergetreideanbau gilt die eiserne Regel der N-Düngung: „Wenn ein N-Bedarf vorliegt, wird gedüngt, wenn kein N-Bedarf vorliegt, wird nicht gedüngt!“ Die N-Optima liegen von Jahr zu Jahr, von Feld zu Feld und von Teilfläche zu Teilfläche weit gespreizt auseinander. Es ist alles dabei von 50 bis 250 kg N/ha. Bilanzansätze, also geplanter Ertrag mal Entzugsfaktor minus N-min etc., führen in keiner Weise zum Erfolg. Ganz zu schweigen von der gezielten Beeinflussung von Lagervermeidung, Konditionierung für Trockenphasen, Qualität und hoher Druscheignung unter allen Wetterbedingungen.

6. Das Thema der intensiven Reaktionen der Getreidebestände auf die Frühjahrs- und spätere Vorsommertrockenheit beschäftigte Sie und uns seit mindestens 15 Jahren. Alle Großflächenversuche und alle Beobachtungen zeigen auf, dass Getreidebestände, die unter 45-50 kg N-Aufnahme zum Schossbeginn aufweisen hochgradig gefährdet sind für starke Ertragsausfälle aufgrund trockener Bedingungen. Egal wie intelligent man versucht, die Bestände dann zu führen, das Kind ist zu diesem Zeitpunkt in den Brunnen gefallen.

Die zu geringen N-Aufnahmen gehen 1:1 einher mit dem schnellen Austrocknen des oberen Horizontes und mit einem schnellem Wasserverlust des Pflanzenbestandes. Ursache dafür ist sowohl die fehlende Beschattung des Bodens und der Pflanzen untereinander, als auch die direkte Sonneneinstrahlung auf den Oberboden mit der entsprechenden Wasser-Saugkraft. Es findet in diesen Beständen keine Taubildung statt. Ein dichter Bestand ist in einer kalten Frühjahrsnacht generell wärmer aufgrund der höheren Biomasse und damit einhergehender Assimilationsleistung (Wärme) je m² als ein dünner Bestand. Nur bei einem Temperaturgradient bildet sich Tau. Dieser Tau entspricht umgerechnet schnell 0,5-1 mm Niederschlag, der in dichten Beständen ein Düngerkorn in Lösung gehen lässt, auch in der Frühjahrstrockenheit.

Nicht nur dass der obere Bodenhorizont und die Pflanzen schnell austrocknen und ein Düngerkorn sich nicht aufgelöst, hinzu kommt noch, dass die generell kleineren Pflanzen auch eine kleinere Wurzel ausgebildet haben. Das schnell zurückgehende Bodenwasser im Oberboden trifft dann auch auf die zu kurz ausgebildeten Wurzeln – dann ist das Spiel endgültig vorbei – irreversible Schädigung.  Nach oben geht also zu viel Wasser weg und die Wurzeln sind zu klein und zu schwach sind, um an das untere Bodenwasser heranzukommen.

Was ist die primäre Ursache für dieses Szenario? Bestände unter 45-50 kg N-Aufnahme zu Schossbeginn haben zwar eine oft ausreichende Anzahl von Pflanzen, jedoch fehlt es absolut an Bestockung und auch an Wuchshöhe oberhalb und Wurzelausprägung unterhalb. Je nachdem wie und wann die Pflanzen mit neu einsetzendem Wachstume aus dem Winter kommen, die Bestockungszeit ist spätestens Anfang April, mit dem Einsetzen des Langtages, vorbei. Was bis dahin an Bestockungstrieben nicht da ist, gibt es in diesem Jahr nicht. Es verbleiben also mehr oder weniger nur 4 Wochen für Bestockung. Fehlt es da an Schubkraft durch N, dann wachsen die Bestände nicht los und es fehlt am Ende die ausreichende Bestockung. Wenn und falls Frühjahrstrockenheit einsetzt, dann kommt es schnell zu irreversiblen Schäden und Ernteeinbußen.

Und warum wachsen die Pflanzen nicht schnell genug los? Falsche N-Form bei der N1 und oft keine angepasste Höhe der N-Düngung! Meistens kommt noch verstärkend hinzu, dass die pH-Werte kleinräumig falsch eingestellt worden sind und dass es auch an P und K mangelt. Bevor die Bestände vertrocknen, sind sie verhungert.

7. Weiter geht es mit der N2 und N3. Mit der Gesamtsumme aus N1, N2 und N3 wird das N-Optimum des Jahres mit +- 5% genau getroffen, solange Sie die Höhe der N2 und N3 sauber und korrekt an der Düngeempfehlung des N-Testers bzw. Nitratschnelltest ausrichten. Qualitätsaspekte müssen besonders bei E-, A- und B-Weizen beachtet werden, vor allem dann, wenn Sie die Düngung mit der N3 abschließen wollen.

8. Auch wenn sich aktuell die Preisunterschiede zwischen den verschiedenen Qualitätsklassen wieder etwas verringert haben, sollten Sie das Erreichen der angestrebten Proteinwerte nicht aus den Augen verlieren. Selbst bei nur 1 € je dt Differenz rechnet sich eine notwendig werdende N4 zu jeder Zeit.

Nehmen Sie die DVO nicht als gegeben hin, sondern denken und handeln Sie!

9. Viele Betriebsleiter meinen, die DVO schränkt sie nicht ein und sie würden mit den Restriktionen gut zurechtkommen. Das halten wir für einen fatalen Trugschluss. Man macht einfach das, was erlaubt ist. Verlängert man diesen Trend so endet man bei der Betriebsaufgabe. 
In Wahrheit haben sich diese Betriebe mit den Zwängen abgefunden und akzeptieren negative N-Bilanzen und zurückgehende Erträge bzw. Qualitäten. „Es ist halt so.“ Aber niemand schaut mehr auf den agronomisch begründeten Düngebedarf. In den letzten 20 Jahren ist viel vom agronomische Basiswissen komplett verloren gegangen. Zudem wird der Markt überschwemmt von Marketing und Propaganda von den verschiedensten wirtschaftlichen und politischen Interessengruppen. Denken Sie nur an die leidige Geschichte mit den völlig haltlosen und aus der akademischen Luft gegriffenen Biostimulanzien. Nichts, aber auch gar nichts ist da nachweisbar!
Wir geben uns viel Mühe, das agronomische Basiswissen für Sie wieder auszugraben, anzupassen und Ihnen als Handwerkszeug für Ihren Betrieb zur Verfügung zu stellen.

Ein Eigentümer eines Sensors und ein gut geschulter Betriebsleiter sollte eigentlich nicht klagen über die DVO, über stagnierende Erträge und über zu geringe Qualitäten. Es ist alles da, was man braucht, um aus der Misere herauszukommen.

Abschließende Hinweise

Unsere Analysen zeigen, dass sich bestimmte Unsicherheiten in der Anwendung bei manchen Betrieben wie ein roter Faden durchziehen. Bitte achten Sie in der kommenden Saison besonders auf:

Wer noch einen Sensor braucht, 12 Stück haben wir schon vorgekauft für die Frühjahrssaison 2026. Danach hat YARA eine Preiserhöhung, nach 6 Jahren stabilen Preisen, von 4.000 € angekündigt, die wir notgedrungenen Maßen weitergeben müssen. Das spielt aber letztendlich nicht die entscheidende Rolle, da die Rentabilität um den Faktor 20-30 höher liegt. 

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