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18.10.2019 - Bodo Hanns (E-Mail schreiben an Bodo Hanns)

Präzision im Maisanbau

„Wie die Saat, so die Ernte.“ Wer kennt es nicht, das Zitat der römischen Staatsmann Marcus Tullius Cicero? Eine gelungene Saat beginnt bereits mit der richtigen Sortenwahl. Maissaatgut wird immer entsprechend des Produktions­ziels und der jeweiligen Standortbedingungen ausgewählt.

Heute hat man darüber hinaus die technischen Möglichkeiten, mit differenzierten Saatkarten die Saat­stärke für jede Teilfläche eines Feldes zu bestimmen. Auf leichten Standorten können beispielsweise geringere Saatstärken von Vorteil sein, auf schweren entsprechend höhere. Einzelkornsämaschinen ermöglichen dann eine präzise Ablage des Maissaatgutes.

Aktuelle Stickstoffaufnahme von Mais - gemessen mit dem Yara N-Sensor ALS

Saatkarten helfen, Saatstärken zu optimieren

Die Saatkarten können auf Basis der Daten eines Bodenscanners erstellt werden. Auch Karten der Reichsbodenschätzung und digitale Geländemodelle etc. sind als Grundlage verwendbar. Spezialisierten Unternehmen ist es dann möglich, mithilfe von GIS-Programmen entsprechende Saatkarten zu berechnen. Welche Datenquelle in Kombination mit welcher Strategie das Optimum erreicht, ist allerdings bislang noch nicht hinreichend untersucht.
 

Präzise Nährstoffanalyse für intelligente Grunddüngung

Grunddüngung trägt nicht zufällig ihren Namen, sie ist die Grundlage für ackerbaulichen Erfolg. Eine Unter- oder Überversorgung der Böden bringt oftmals negative Effekte auf den Ertrag mit sich. Sei es...

  • der pH-Wert, welcher maßgeblich die Pflanzenverfügbarkeit von Nährstoffen beeinflusst.
  • Phosphor, der große Bedeutung für die Keimpflanzenentwicklung und das Wurzelwachstum hat.
  • Kalium, welches wichtig für die Steuerung des Wasserhaushaltes ist und damit beträchtlichen Einfluss auf die Trockenstresstoleranz der Maispflanzen hat.

Für eine effiziente Grunddüngung bedarf es zunächst einer sauberen Datenerhebung. Dabei ist die Umsetzung im Prinzip recht einfach, kann aber durch spezialisierte Dienstleister professioneller und schneller durchgeführt werden als durch die eigenen Mitarbeiter.

Das Verfahren beginnt mit einer GPS-gestützten und damit qualitativ hochwertigen und reproduzierbaren Bodenbeprobung. Für die Vermessung der Felder kommt erneut ein Bodenscanner zum Einsatz. Dabei handelt es sich um ein physikalisches Messsystem, das Bodenunterschiede zerstörungsfrei und objektiv ermittelt. Signifikanten Einfluss hat dabei der Tongehalt des Bodens.

Im nächsten Schritt findet eine intelligente Bodenbeprobung statt. Zonen mit leichten und schweren Böden werden jeweils zu dynamischen Beprobungsrastern zusammengefasst. Das Ergebnis sind exakte Informationen zum Nährstoffgehalt einzelner Teilflächen. In cloudbasierten Datenportalen wie bspw. agriPORT, kann dann eine spezifische Düngeplanung erfolgen.

P- und K-Düngung für große Ertragseffekte

Mais reagiert auf niedrige Phosphor- und Kali-Gehalte recht sensibel. Auf Feldern mit unzureichend verfügbaren Nährstoffgehalten lassen sich daher zum Teil große Ertragsverluste feststellen. Tab. 1 enthält die in Feldversuchen beobachteten Ertragseffekte in Abhängigkeit von der Ausgangsversorgung. Bestimmt wurden darin die Ertragseffekte bei  P- und K-Düngung im Vergleich zur ausbleibender Düngung.

In der N-Düngung neue Wege gehen

Gängige Praxis bei der N-Düngung von Mais ist die Einmalgabe von Stickstoff über eine Unterfußdüngung zur Saat oder mittels Gülle. Aufgrund des vergleichsweise späten N-Bedarfs und der langen Wachstumsperiode in Frühjahr und Sommer, kann Mais den Bodenstickstoff für gewöhnlich gut ausnutzen. Aber auch Maispflanzen zeigen früh an, wenn die N-Nachlieferung des Bodens für ein gutes Pflanzenwachstum nicht ausreicht. Genau hier kann eine variable N-Düngung angesetzt werden: Statt der Einmalgabe wird die Düngemenge gesplittet (s. Abb. 1).

Bei dieser Düngevariante werden zunächst ca. 50 % der vorgesehenen Gesamtstickstoffmenge ausgebracht. Da eine Gabenteilung in der Regel auch positiv auf die N-Effizienz wirkt, können die restlichen 50 % auf bis zu 40 % reduziert werden. Diese N-Gabe wird dann im 6- bis 10-Blattstadium und mit Hilfe des N-Sensors® teilflächenspezifisch appliziert. Dieser erfasst Unterschiede im Pflanzenwachstum basierend auf der aktuellen N-Aufnahme der Bestände. Mithilfe einer hinterlegten agronomischen Regelfunktion wird dann bedarfsgerecht gedüngt. Schwächer entwickelte Bestände mit niedriger N-Aufnahme erhalten eine höhere, besser entwickelte Bestände mit größerer N-Aufnahme eine niedrigere N-Düngungsmenge. Der N-Sensor® erfasst aufgrund seiner Schrägmessung auch in Reihenkulturen ein repräsentatives Messfeld.

Die Aufteilung der N-Menge auf zwei Gaben und die bedarfsgerechte Verteilung im Maisschlag bietet im Vergleich zur Applikation der gesamten N-Menge zu einem Termin folgende positiven Effekte:

  1. Erträge können gesteigert werden.
  2. Das Erntegut weist gleichmäßigere Trockensubstanz­gehalte auf.
  3. Die N-Effizienz wird erhöht und N-Bilanzen reduziert.

 

Erntehelfer aus dem Weltall

Mit digitalen Tools ist es neuerdings möglich, die Bestandsentwicklung von Mais nachzuverfolgen. Grundlage hierfür sind die Daten der Sentinel-2 Satelliten. Diese wertet ein Algorithmus aus und gibt Rückschlüsse auf den Trockensubstanzgehalt der Pflanzen. Ist ein vordefinierter Wert erreicht, wird bspw. über das Smartphone des Landwirts eine Ernteempfehlung ausgesprochen. Das Verfahren ist noch relativ neu am Markt und muss seinen Mehrwert erst noch unter Beweis stellen.

Karten auf den Tisch!

Hat sich der Einsatz von digitalen Verfahren gelohnt? Diese Frage können intelligente Feldhäcksler und Mähdrescher beantworten, die mit entsprechenden Einrichtungen ausgestattet sind. Während der Ernte erstellen sie Ertragskarten, die Landwirte dann später im Büro auswerten können. Damit sind sie ein hervorragendes Werkzeug zur Schwachstellenanalyse. Mit anderen Worten: Eine Ertragskarte ist ein virtueller Rückspiegel.

Leider ist es so gut wie unmöglich, aus den Ertragskarten vergangener Jahre das Ertragspotenzial einzelner Teilflächen zu errechnen. Empfehlenswert ist hingegen, immer den aktuellen Bedarf (Stickstoff, Pflanzenschutzmittel etc.) des Bestandes mit digitalen Werkzeugen zu messen und entsprechend zu handeln.

 

Gesellschaftliche Akzeptanz als positiver Nebeneffekt

Digitale Verfahren sind Schlüsseltechnologien, um Mais ressourcenschonender anbauen zu können als bisher. Mit Hinblick auf die immer strengeren Vorgaben aus Berlin und Brüssel, muss die N-Effizienz nachhaltig gesteigert werden. Neben den sich daraus ergebenen ökonomischen Vorteilen, kann die Agrarbranche durch Precision Farming auch ökologische Vorteilswirkungen erzielen.

Betriebe, die bereits heute in intelligente Lösungen investieren, können schnell auf sich verändernde politische Rahmenbedingungen im Maisanbau reagieren und dadurch ihre Wettbewerbsfähigkeit bewahren. 

 

Der Originalartikel wurde im Oktober 2019 auf der Website praxisnah.de veröffentlicht.

 

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